Commerzbank - wir müssen reden

Die Commerzbank verlangt für beleghafte Überweisungen Geld. Das kann ich akzeptieren. Ich habe schon jahrelang am Automaten die Aufträge selbst erfasst. Onlinenbanking hat jahrelang nicht für mich funktoiniert. Jetzt tut's. Und jetzt soll das auch noch kostenpflichtig werden.

Rückblick

Mit der Dresdner Bank war ich als Kunde immer zufrieden, nicht nur, weil ich meine feste Ansprechpartnerin dort kannte.

Kurz vor der Jahrtausendwende kam Online-Banking (in Form von HBCI) auf und ich wollte das auch mal ausprobieren. Also hab ich mich an die Bank gewendet und einen Smartcard-Leser mit seriellem Anschluss per Post bekommen. Als ich den zwei Monate nicht einmal benutzt hatte, rief jemand schüchtern aus dem Rechenzentrum in Frankfurt an: Herr Donnerhacke, ich kenn' Sie ja aus dem Usenet. Sie haben unser Gerät bekommen und nie benutzt. Haben Sie Sicherheitsbedenken oder gar etwas schlimmes gefunden?

Das hatte ich natürlich nicht. Mein Problem war, dass das Teil an einer NeXTstation nicht lief. Aber da konnte er mir nicht helfen. So blieb ich bei beleghafter Kontoführung und dann die Benutzung der Automaten. Da hin zu gehen ist nicht aufwendig, wenn es in der Nähe der Arbeitsstelle ist.

Später ging die Bank in der Commerzbank auf und ich bin mit gegangen. Man ist ja bequem. Einen feste Ansprechpartner brauchte ich nicht mehr, freute mich aber die paar Mal, die ich dort war, immer an die gleiche und kompetente Person zu gelangen.

Irgendwann mochte ich den doch etwas weiteren Fußweg nicht mehr und beantragte wieder mal Online-Banking. Es stellte sich heraus, dass bis auf einen extra PIN/TAN-Brief nichts weiter geschah, als dass man die gleiche Oberfläche wie am Automaten nun auch zu Hause hatte. Intern ist beides Online-Banking nur halt von verschiedenen Zonen aus. Das ist clever und gestattete mir, Online-Banking von außerhalb Deutschlands zu untersagen.

Etwas später wurde TAN durch iTAN und mTAN abgelöst. ChipTAN, wie es die Sparkasse anbietet, war leider nicht im Angebot. Noch etwas später kam PhotoTAN.

Diskriminierung

Und heute lese ich in der Bank-Mitteilung:

Die Commerzbank empfiehlt ihren Kunden im Onlinebanking die Nutzung der photoTAN.
Sie beruht auf modernsten Sicherheitsstandards, ist kostenlos und es 
gilt die Commerzbank Sicherheitsgarantie. 
Mit der photoTAN ist Banking mit dem Smartphone ohne Zusatzgeräte möglich.
Die mobileTAN als bisherige Alternative zur TAN-Generierung kann von Kunden
weiterhin genutzt werden, ist künftig jedoch nicht mehr kostenlos. 
Wechseln Sie jetzt und testen Sie unsere PhotoTAN-App auf www.commerzbank.de

Ab 1.05.2018 werden wir den Versand einer (angeforderten, tatsächlich genutzten)
mobileTAN per SMS mit 0,09 EUR bepreisen.
Sollten Sie mit dieser Änderung nicht einverstanden sein, sprechen Sie uns gern
bis zum 30.04.2018 an. Bis zu diesem Termin haben Sie die Möglichkeit zu widersprechen,
oder das Konto fristlos und kostenfrei zu kündigen. 
Widersprechen oder kündigen Sie nicht, gilt Ihre Zustimmung zu der Vertragsänderung
als erteilt. Das geänderte Preis- und Leistungsverzeichnis kann in unseren 
Geschäftsräumen eingesehen werden und wird auf Wunsch ausgehändigt oder zugesandt.

Hallo? Ich muss ein Smartphone haben und eine Software von Euch installieren, damit ich Euch Kosten spare?

Wenigstens erkennt Ihr, dass Eure Anwendung nicht auf allen Smartphones laufen wird. Ihr schreibt selbst:

Wenn Sie kein Mobiltelefon besitzen, auf dem Sie die Commerzbank photoTAN-App
installieren können, haben Sie die Möglichkeit, bei Anmeldung zur photoTAN
ein preisgünstiges Lesegerät zu erwerben.

Bevor ich jetzt schaue, ob es für mein Handy überhaupt Eure Software gibt (Nein, das ist kein NeXTphone), lese ich nochmal nach, dass ihr bei mTAN die gleichen Sicherheit garantiert wie bei PhotoTAN.

Das ist deswegen witzig, weil ihr bei PhotoTAN schreibt, dass Eure Software das Hauptsicherheitsrisiko implementiert hat:

Auf Ihrem Smartphone können Sie Überweisungen noch schneller und einfacher durchführen
als am Computer. Nutzen Sie dafür die kostenlose Banking-App der Commerzbank.
In Verbindung mit der photoTAN-App entfällt das Scannen der Grafik. Durch eine
ausgeklügelte Technik sind die Apps direkt miteinander gekoppelt.

Selbst Wikipedia weiß:

Werden allerdings beim mobilen photoTAN-Banking sowohl die Banking- wie auch die photoTAN-Funktion via App auf einem einzigen Smartphone zusammengeführt, sodass die photoTAN-App und die Banking-App direkt miteinander kommunizieren, lassen sich die Überweisungen wieder manipulieren. Solche Apps werden zum Beispiel von der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Norisbank bereitgestellt.

Und selbstverständlich gibt es die App nur für Android und iOS. Nicht für Windows Phone, Symbian, etc.

So und nun müssen wir reden. Zumindest müsst Ihr auf meinen Widerspruch, der bei Euch eingehen wird, reagieren. Sonst bleibt alles beim Alten. Klar?

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Lutz Donnerhacke 13.06.2018 12:41
So, der Monat war rum und es gab keine explizite Reaktion der Commerzbank auf meinen Brief.
Also hab' ich's ausprobiert und stelle fest: Die Warnung, dass mTAN Geld kostet, fehlt inzwischen.

Offenbar ist meinem Wunsch entsprochen worden und das Konto ist bzgl. mTAN kostenfrei.
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oxymo 03.04.2018 17:38
Meine Erfahrung: Den Gebühren widersprochen. Kundenbetreuer ist damit total überfordert.
1. Antwort: Widerspruch ist nicht möglich.
2. Antwort: Widerspruch ist doch möglich, aber man widerspricht dann der kompletten Online-Nutzungsvereinbarung, nicht nur der aktuellen Änderung.
3. Antwort: Widerspruch nur gegen die Änderung ist doch möglich, aber das hätte zur Folge, dass die Commerzbank die Online-Nutzungsvereinbarung kündigt.

Bislang hat die Commerzbank das nicht gemacht.
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Timo Ollech 26.03.2018 17:51
Gibt es inzwischen schon eine Reaktion der Commerzbank? Mich betrifft das nämlich auch.
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Paniertiger 17.03.2018 08:49
Mit denen reden kannste ja mal - aber helfen wird's nicht. Jedenfalls ist das meine Erfahrung der letzten dreissig Jahre (oder so). Dein/unser Problem sind nicht die Institutionen, sondern deren Nutzer. Zu bequem, zu unbekümmert. Wir Techniker sind da nicht wirklich die Zielgruppe ...

Achtstellige Ziffer als Telefon-Passwort, das "niemand kennt ausser mir". Bei jedem Anruf musste man drei zufällig ausgewählte Stellen nenen. Preisfrage: wie lange dauert es, bis das Callcenter mein Passwort weiß ?

Frage nach einer Kontoverbindung, die Bargeld nur an einem bestimmten Automaten herausgibt - der steht bei mir in der Firmenzentrale im Eingangsbereich. Empfang ist 24/7 besetzt, soll heissen: no Skimmking.
"Das ist technisch nicht möglich". Du & ich wissen, dass diese Aussage Blödsinn ist. Es gibt halt nicht genügend Nutzer, die sich als Kunden sehen und darauf antworten: 'Ich will das aber'.

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